Dienstag, 1. Dezember 2015

Die Grenzen des Liberalismus



Die Ausdifferenzierung nach Georg Simmel oder die Individualisierung nach Émile Durkheim scheinen noch nicht endgültig abgeschlossen, könnte man meinen. Dadurch wirken der Liberalismus grenzenlos und sein Siegeszug seit dem Untergang des Sozialismus 1990/1991 scheinbar unaufhaltsam. Und so gab es mit jeder Generation liberalere Menschen, weshalb vermeintlich aussätzige Minderheiten immer stärker inkludiert wurden. In den 1970ern und 1980ern erfuhren in der westdeutschen Gesellschaft die italienischen, spanischen und griechischen Gastarbeiter ihre rechtmäßige Aufwertung. In den 1990ern die polnischen Mitmenschen in Deutschland. In den 2000ern die Homosexuellen. Und in den 2010ern die Frauen. Bleiben nur noch die Muslime, Schwarzafrikaner und andere Minderheiten. Aber diese werden auch hoffentlich bald ihre legitime Emanzipation in unserer Gesellschaft erfahren. Doch was kommt dann? Wen kann man dann gleichberechtigen, wenn alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind und alle Menschen die gleichen Chancen haben?

Manche versuchen bereits jetzt schon in der Gleichberechtigung der Tiere. Etwa die Grünen, Peta und Greenpeace. Doch das ist ein Irrweg. Schließlich beinhalten Rechte auch Pflichten. Und solange Tiere über kein Bewusstsein verfügen, können sie auch keine Rechte genießen oder ihren Pflichten nachkommen. Ein anderer falscher Weg wäre die Egalisierung der Pädophilie, was mittlerweile auch Bündnis‘90/Die Grünen erkannt haben. Wen kann man also bald noch gleichberechtigen?
 
Der Liberalismus scheint, unter den gegebenen Umständen an seine natürlichen Grenzen zu stoßen. Denn irgendwann werden alle Menschen vor dem Gesetz gleich sein. Trotzdem stößt damit die Menschheit nicht an ihre natürlichen Grenzen.

Doch dass der Liberalismus irgendwann an sein Limit gerät, ist mittlerweile absehbar. Ein Beispiel: Jeder Politiker in der Welt bekennt sich zu den Menschenrechten, auch wenn dieser diese unveräußerlichen Rechte nicht beherzigt. Und zu den Menschrechten zählt unter anderem das Recht auf Freizügigkeit. Freizügigkeit hat im Deutschen zweierlei Bedeutungen. Auf der einen Seite kann es etwa Frivolität, Gewagtheit oder Großzügigkeit bedeuten. Doch diese Dimensionen werden von den Menschenrechten nicht tangiert. Auf der anderen Seite kann Freizügigkeit auch das Recht auf freie Mobilität beinhalten, also das Recht auf freie Reise.

Aber darf man dieser Welt tatsächlich frei reisen? Als Europäer ist das sicherlich vergleichsweise einfach. Sicherlich besteht in manchen Ländern Visapflicht. In anderen Staaten kriegt man bei Reisen staatliche Aufpasser zur Seite gestellt. Trotzdem stellt das keine Begrenzung der Reisefreiheit dar. Europäer können überall hinreisen.

Damit geht es den Europäern weitaus besser als vielen anderen Menschen. Denn Bewohnern aus der sogenannten Dritten Welt ist es nicht unbedingt gestattet, in andere Staaten zu reisen. Das erfordert oftmals ebenfalls ein Visum. Diese kosten Geld, weshalb viele reisewillige Menschen bereits an dieser Hürde scheitern. Gleichzeitig wird bei Visaanträgen nach dem Grund der Reise gefragt, weshalb erneut viele Menschen scheitern.

Dieser Sachverhalt thematisiert nicht die große Flüchtlingswelle auf Europa. Trotzdem verdeutlicht er sehr gut, dass der Liberalismus seine natürlichen Grenzen hat, obwohl die unveräußerlichen Menschrechte weltweit gelten.

Außerdem verdeutlicht ein praktisches Beispiel, dass der Liberalismus sich nur mit der sozialen Emanzipation weiterentwickeln kann. Schließlich sind Staatsgrenzen lediglich Grenzen zur Wohlstandswahrung. Diese hatten sicherlich ihre Berechtigung, dennoch sind sie historisch in einer globalisierten Welt und in einem supranationalen Gebilde wie der Europäischen Union längst überholt. Schließlich verdeutlichen die Ursachen der immer noch andauernden Griechenlandkrise, dass notfalls auch über Staatsgrenzen hinweg mit zumindest bislang unlauteren Mitteln für sozialen Ausgleich gesorgt wird.

Und fielen nun endgültig die letzten Grenzen und erhielte damit die Freizügigkeit ihre Wahrhaftigkeit, führte das zu einer Weiterentwicklung sowie zu einer Belebung des Liberalismus‘. Doch wenn das nicht erfolgt, ist und bleibt der Liberalismus eine geradezu leere Hülse.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen